Das liturgische Dokument von Roche ist manipulativ, historisch verzerrt und traditionsfeindlich - Schneider
Das englische Originalinterview ist in autorisierten Übersetzungen auf Italienisch, Deutsch, Französisch und Spanisch erhältlich.
Methodische Voreingenommenheit und Verwendung der Geschichte
Schneider behauptet, dass es dem Dokument von Roche an echter Objektivität mangelt und er stattdessen selektiv historische Daten verwendet, um Einschränkungen des traditionellen römischen Ritus zu rechtfertigen.
Er argumentiert, dass Roche:
- partielle oder irreführende historische Interpretationen präsentiert
- selektive Zitate verwendet
- und Schlussfolgerungen im Voraus festlegt, anstatt sie aus Beweisen abzuleiten
Schneider: "Er scheint von einer Agenda getrieben zu sein, die darauf abzielt, diese liturgische Form zu verunglimpfen und sie letztlich aus dem kirchlichen Leben zu eliminieren."
Reform versus organische Entwicklung des Römischen Ritus
Kardinal Roche behauptet, die Geschichte der Liturgie sei eine Geschichte der ständigen Reformen.
Schneider kontert dies, indem er unterscheidet:
- Organische Entwicklung, die sich im Laufe der Zeit allmählich entfaltet
- von der technischen Reform, die konzeptionelle Änderungen von außen auferlegt
Bischof Schneider argumentiert, dass der Römische Ritus mindestens seit dem 11. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen stabil geblieben ist und Anpassungen, aber keine strukturelle Rekonstruktion erfahren hat.
Im Gegensatz dazu stellt das Missale von 1970 (Novus Ordo) einen qualitativen Bruch mit der vorherigen liturgischen Kontinuität dar.
Vom Theozentrismus zum Anthropozentrismus
Über die historischen Behauptungen hinaus vertritt Schneider die theologische Kritik, dass die nachkonziliare Reform eine Verschiebung widerspiegelt:
- von einer gotteszentrierten (vertikalen) Ausrichtung
- hin zu einer mehr auf den Menschen ausgerichteten (horizontalen) Orientierung
Er zitiert Bonifatius Luykx und beschreibt die Reform als "die Dampfwalze des anthropozentrischen Horizontalismus". Für Schneider ist dies nicht nur stilistisch, sondern betrifft auch die spirituelle Logik des Gottesdienstes selbst.
Die eigene Vision des Vatikanums II von der Liturgie
Schneider betont, dass das Zweite Vatikanum selbst ein stark theozentrisches, heiliges und kontemplatives Verständnis der Liturgie formuliert hat:
- Die irdische Liturgie hat Teil an der himmlischen Liturgie (Sacrosanctum Concilium 2, 8)
- Das Sichtbare ist dem Unsichtbaren untergeordnet
- Die Aktivität ist der Kontemplation untergeordnet
Er argumentiert, dass Roches Ansatz dieser konziliaren Theologie des Gottesdienstes widerspricht, nicht nur späteren disziplinarischen Entscheidungen.
Falsche Darstellung von Quo primum (Pius V.)
Roche interpretiert Quo primum als Durchsetzung liturgischer Einheitlichkeit. Schneider kontert mit historischen Beweisen:
- Pius V. erlaubte ausdrücklich, dass Riten, die älter als 200 Jahre waren, weitergeführt werden durften
- Die ambrosianischen, dominikanischen und anderen Riten florierten
- Die Einheit der römischen Kirche erlaubte historisch gesehen eine legitime Vielfalt.
Daher argumentiert Schneider, dass Roche Einheit mit Uniformität verwechselt, was der historischen katholischen Praxis widerspricht.
"Kardinal Roche bezieht sich selektiv auf Quo primum, verfälscht dadurch dessen Bedeutung und benutzt das Dokument... zur Unterstützung einer anti-traditionellen Interpretation."
Das Zweite Vatikanum und der Novus Ordo: Eine falsche Identifizierung
Schneider weist Roches Behauptung zurück, der Novus Ordo sei der direkte liturgische Ausdruck des Zweiten Vatikanums.
Er argumentiert:
- Das Zweite Vatikanum verlangte eine organische Reform ohne Bruch (SC 23)
- Das Missale von 1970 geht über die Vorgaben des Konzils hinaus
- Zeitzeugen (Joseph Ratzinger, Bonifatius Luykx) erklärten, dass die Reform von der eigentlichen Absicht des Konzils abweicht
Schneider hebt besonders hervor: Die "Messe des Zweiten Vatikanums" war das Messbuch von 1965, nicht das Messbuch von 1969/70.
Das Messbuch von 1965 als authentische konziliare Reform
Schneider stellt das Messbuch von 1965 als:
- die tatsächliche Umsetzung des Zweiten Vatikanums
- Bewahrung der Kontinuität mit der Tradition
- Einführung eines moderaten Gebrauchs der Volkssprache
- Vermeidung eines Strukturbruchs
Er argumentiert, dass dieses Missale zeigt, dass eine radikale Rekonstruktion des römischen Ritus weder gefordert noch notwendig war.
Die Ablehnung der neuen Messordnung im Jahr 1967
Schneider führt ein entscheidendes historisches Ereignis an:
- Im Jahr 1967 lehnte die Bischofssynode - mehrheitlich Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils - den Prototyp dessen ab, was später zum Novus Ordo
- Trotz dieser Ablehnung wurde die Form später promulgiert
- Die heutige Messe ist also nicht das Ergebnis eines bischöflichen Konsenses zu dieser Zeit.
Dies stellt Roches Behauptung in Frage, der Novus Ordo repräsentiere den festen Willen des Konzils.
Einheit und liturgischer Pluralismus
Roche stellt den liturgischen Pluralismus als eine Bedrohung der Einheit dar.
Schneider argumentiert historisch und seelsorgerisch:
- Die Kirche hat jahrhundertelang mit mehreren Riten in Einheit gelebt
- Schismen entstanden nicht durch Vielfalt, sondern durch erzwungene Uniformität (z.B. Russland, Indien)
- Frieden wird durch Koexistenz besser bewahrt als durch Unterdrückung
Für Schneider ist der Pluralismus in der Einheit ein katholisches Prinzip, kein Zugeständnis.
Die Behauptung von Kardinal Roche, dass der Pluralismus "die Spaltung einfriert", ist "manipulativ und unehrlich".
Der Status der traditionellen Messe: Keine bloße Duldung
Schneider weist Roches Behauptung zurück, dass die Traditionelle Messe von den letzten Päpsten nur zähneknirschend toleriert wurde:
- Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben ihre Legitimität bekräftigt
- Johannes Paul II. lobte öffentlich ihren spirituellen Reichtum
- Summorum Pontificum erkannte juristische Rechte an, keine Ausnahmen
Krise der liturgischen Ausbildung in der Hierarchie
Schneider stellt fest, dass viele Bischöfe und Kardinäle:
- keine ausreichende Ausbildung in Liturgiegeschichte haben
- mit den konziliaren Debatten und Texten nicht vertraut sind
- daher Schwierigkeiten haben, Dokumente wie das von Roche kritisch zu bewerten
Er schlägt vor, echte Liturgiewissenschaftler (periti) in zukünftige Beratungen einzubeziehen.
Die pastorale und moralische Dimension: Gerechtigkeit und Inklusion
Schneider bezeichnet die derzeitigen Einschränkungen für traditionelle Katholiken als:
- ungerecht
- diskriminierend
- Behandlung gläubiger Katholiken als "zweite Klasse"
- unvereinbar mit der Betonung von Inklusion und Synodalität durch die Kirche
Damit wird das Thema von einer rituellen Debatte zu einer Frage der kirchlichen Gerechtigkeit.
Appell an die päpstliche Verantwortung
Schneider kritisiert nicht nur, er schlägt auch eine Lösung vor:
Er fordert Leo XIV. auf:
- die gleiche Würde und die gleichen Rechte für beide Formen des römischen Ritus wiederherzustellen
- einen großzügigen rechtlichen Rahmen zu schaffen (ex integro)
- dadurch liturgischen Frieden und Einheit zu erreichen
Er stellt dies als eine einzigartige historische Gelegenheit zur Versöhnung dar.
Generations- und Kulturdiagnose
In seiner Schlussfolgerung fügt Schneider eine soziologische Ebene hinzu: Er beschreibt Roches Dokument als Spiegelbild:
- die defensive Haltung einer kirchlichen Gerontokratie
- die sich gegen die Kritik der jüngeren Generationen wehrt
- die Autorität nutzt, um zu unterdrücken, anstatt sich zu engagieren
Er kontrastiert dies mit der Anziehungskraft, die junge Katholiken auf die traditionelle Liturgie aus spirituellem Instinkt und nicht aus Ideologie ausüben.
Sensus Fidei und die Zukunft der Tradition
Schneider betont, dass:
- Kinder, junge Menschen und Familien werden von der traditionellen Liturgie angezogen
- nicht durch Politik, sondern durch den Sensus Fidei
- dies gewährleistet, dass die Tradition durch spirituelle Vitalität und nicht durch institutionelle Macht überlebt
AI-Übersetzung